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Transformation durch Entmystifizierung

Aktualisiert: 1. Mai 2019

Vor Kurzem bin ich gefragt worden, ob ich vor einem 40-köpfigen Executive Team eines internationalen Unternehmens zum Thema Veränderung bzw. der Selbstverantwortung in Bezug auf Transformation sprechen könnte. Man hat mich über LinkedIn gefunden, denn durch meine Erfahrung besonders im Bereich Transformation in diversen Bereichen und Lokationen, sei ich perfekt um über dieses Thema zu sprechen.

Gesagt getan.

Bei der Ausarbeitung der Präsentation bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass meine Tätigkeit in Ungarn oder die Restrukturierung von Wunderman in Singapur eindeutig einfacher gewesen wäre, wenn ich all das, was man heute weiss, damals hätte einsetzen können.


Persönliche Transformation

ist ein Thema das mich seit Jahren als Leader, Business Partner und persönlich, begeistert, herausfordert und begleitet. Und damit bin ich nicht alleine. Transformation ist ein zentrales Thema was bei vielen Menschen aktuell sehr präsent ist – besonders in Zeiten der digitalen Transformation mit der sich viele Menschen auseinandersetzen „müssen“ oder wie ich es persönlich lieber sehen würde: können.


Wenn ich über Transformation schreibe, dann beziehe ich mich auf das Schaffen von etwas Neuem, was es so in dieser Form noch nicht gibt und meine damit nicht Change: Änderung und Wandel. Ganz gleich, ob wir über digitale oder persönliche Transformation sprechen.


Transformation als ständiger Begleiter.

Transformation ist unser ständiger Begleiter. Seit unserer Geburt hat jeder von uns eine Vielzahl von Transformationen durchlaufen. Biologische – wie z. B. vom Baby zum Kleinkind unbewusst, hin zu dem was wir heute sind: Erwachsene mit einem entwickelten Bewusstsein. Wir alle durchlaufen verschiedene Stationen in unserem Leben die von Transformation begleitet werden: manche freiwillig – im Idealfall, wenn man z. B. Mutter oder Vater wird oder unfreiwillig durch Schicksalsschläge, z. B. durch Jobverlust oder durch einem uns nahe stehenden Menschen. Es gibt immer wieder erstaunliche Geschichten, wie manche Menschen damit umgehen und ihren Schicksalsschlag als Befreiung oder sogar als Wendepunkt zu einem besseren und erfüllteren Leben begreifen.


Und trotz all der Transformationen die auf unser Leben einwirken, scheint vielen von uns bewusste Transformation schwerzufallen. Wir alle kennen das von uns in der einer oder anderen Form: das freiwillige verharren in Mustern, obwohl wir rational wissen, dass sie nicht gut für uns sind oder z. B.: das Festhalten im Job an dem was wir glauben kontrollieren können.


Und wie??

„Erzähl mir nichts, ich weis wie das geht“ oder „Das haben wir schon immer so gemacht….."


Wie so ist das so?


Der größte Teil unseres täglichen Verhaltens ist Gewohnheit. Das erlaubt uns mit einem Minimum an kognitivem Aufwand diese auszuführen. Somit stellen wir eine effektive Nutzung unserer begrenzten kognitiven Fähigkeiten sicher. Allerdings sind aufgrund dieser Beschaffenheit („Automation“) Gewohnheiten jedoch weniger anfällig, als verändertes Verhalten und daher stärker manifestiert. Das bedeutet, sie werden gerne und oft abgespielt. Wenn Gewohnheiten in der Gegenwart positive, aber auf lange Sicht nachteilige Ergebnisse liefern wie z. B. ungewollte Gewichtszunahme oder das ständige prüfen der Inbox, dann kann man von einer negativen Angewohnheit sprechen. Diese Angewohnheiten sind zwar schwer zu ändern, da kognitive Informationen zu negativen Ergebnissen das automatisierte Verhaltens-Skript kaum beeinflussen werden, was aber nicht bedeutet, dass man sie nicht ändern kann.


Auslöser – Verhalten – Belohnung.


Hinzu kommt, dass wir Menschen positiver und negativer Verstärkung folgen. Um es etwas plastischer zu beschreiben stellen Sie sich vor, wir laufen an einem Kaffee vorbei, und wir sehen etwas Leckeres zu essen, ein herrliches Stück Kuchen. Und schon geht’s los: Essen – Hunger – Überleben. Wir kaufen den Kuchen, essen ihn auf, stellen fest, dass er so richtig gut geschmeckt hat und Zucker tut sein Restliches dazu. Unser Gehirn beschließt nun Folgendes: Erinnere dich, wo du dieses leckere Stück Kuchen gefunden hast, sodass du jederzeit zurückkommen kannst, um es erneut vorzufinden. Wir lernen den Prozess, er ist einfach, abgespeichert und ist sinnvoll: Trigger – Behavior – Reward oder: Auslöser – Verhalten – Belohnung. Alternativ: wir laufen an einer Bar vorbei und sehen ein herrlich kühles Bier im Schaufenster: Getränk – Durst – Überleben. Gleiches Spiel: dass Getränk sehen, kaufen, trinken und die Belohnung des sich gut Fühlens.

Toll, wir sind zufrieden mit uns und wir wiederholen den Prozess, denn es geht uns gut damit und so kreieren wir eine Angewohnheit, vorausgesetzt wir wiederholen den Vorgang einige Male. Da wir es ja nun können bzw. erfolgreich gelernt und wiederholt haben, wird unser Gehirn kreative und versucht (unser Gehirn versucht oft den einfachen Weg zu gehen), ob wir dieses, ich nenne es mal „Konzept“ auch auf andere Bereiche ausweiten können. Zum Beispiel, wenn wir uns nicht gut fühlen oder wenn wir gestresst sind. Hier ist können wir ein Stück Schokolade, die Zigarette oder einen Drink einsetzen. Der Trigger ist ein anderer, so wie das Objekt der Begierde variieren kann, das Verhalten ist das Gleiche. Und wenn wir das ein paar mal wiederholen, schaffen wir eine Gewohnheit: Auslöser – Verhalten – Belohnung. Stress: Kuchen (erinnern) - kaufen/essen - sich gut fühlen :)


Es ist also fair zu sagen, dass jede Angewohnheit einem positiven Zweck zugrunde liegt. Ein anderes Beispiel was von Rauchern gerne genannt wird, ist die Zigarette während der Arbeit: sie steht oft dafür, sich eine Pause zu gönnen oder eine Belohnung, für eine schwierige Sache, die man erledigt hat (Pause = Reward durch Zigarette transportiert).


Und wenn wir es regelmäßig tun entwickeln wir Routinen, die leider nicht immer gut für uns sind. Doch wie kommt man aus der Nummer wieder raus?


Durch das sich Bewusst machen und erkennen der Trigger/Auslöser. Wichtig ist auch zu verstehen, dass Routine per se nichts Schlechtes ist, im Gegenteil wir brauchen eine gewisse Routine um unser Leben zu meistern, denn wir wollen nicht jeden Tag lernen wie man eine Gangschaltung bedient oder sich morgens Kaffee zubereitet.

Hinzu kommt, dass wir Menschen das grundlegende Bedürfnis nach Kontrolle haben, was sich in Zeiten der Unsicherheit für viele als besonders wichtig darstellt. Dieses Bedürfnis zur Erschaffung von Sicherheit kann sich zu einem Kraftakt entwickeln und ein Festhalten an bestimmten Verhalten erklären. Deshalb nehmen wir gerne auch mal falsche Schlussfolgerungen in Kauf, denn das ist einfacher, wenn man gewisse Begebenheiten hinnimmt, als sie infrage zu stellen oder zu ändern, das ist also alles ganz normal und menschlich.



Entweder oder?!

Wir sind uns unseres Auslösers bewusst geworden und was nun? Nun passiert Folgendes: sobald wir den oben beschrieben Mechanismus durchblicken, entzaubern wir ihn. Er verliert an Reiz und fängt an uns zu langweilen. Es ist erwiesen, dass unser Präfrontaler Cortex hier eine wichtige Rolle spielt. Er empfängt sensorische Signale und steht in korrelativem Zusammenhang mit der Integration von Gedächtnisinhalten und emotionalen Bewertungen. Die Funktionen und Prozesse dieser Hirnstrukturen werden als notwendige Bedingungen für eine situationsangemessene Handlungssteuerung und der Regulation emotionaler Prozesse angesehen. Auf "Ihn" ist leider nicht immer Verlaß. „Er“ auch der erste der einknickt, sollte es stressig werden, was eine uns allen bekannte Reaktion des "schwach Werdens" zur Folge hat.

So weit, so gut, unsere Angewohnheiten sind also ein Resultat eines sich ständig wiederholenden Musters ausgelöst durch einen Trigger. Doch wie fängt man an, eine negative Angewohnheit durch eine Gute auszutauschen?

Mit Sicherheit nicht durch Zwang, denn das funktioniert meistens nicht. Viele von uns haben es bereits versucht und meistens gelingt es nicht gut oder wenn, dann nur mit viel Aufwand, Verzicht und wenig Spaß. Das alles nicht sehr motivierend und zielführend! Daher lade ich Sie ein, Transformation als ein Abenteuer zu betrachten. Ein Abenteuer, das man mit sich selbst unternimmt, um was Neues zu schaffen. Und zwar in dem Sie ihre Neugierde wecken und Sie ein Nein in ein Ja verwandeln. Dem Ja zur Veränderung.


Ihr Abenteur :)


Denn wie wir wissen, sind Abenteuer spannend, aufregend, bewegend, tun meistens gut und bringen uns in unserem Leben weiter. Eine Einladung von: ich weiß, es ist nicht gut, hilfreich oder ich muss hin zu: ich weiß was los ist, ich erlebe es als einen Teil von mir, den ich nun anders steuern kann durch Verinnerlichung oder Durchblick. Denn Neugierde ist etwas, was uns Spaß macht, uns motiviert.


Durch das Wecken unserer Neugierde jetzt verstehen zu wollen, wieso wir machen was wir machen, obwohl wir oft wissen, dass es nicht gut oder hilfreich ist, ist der Anfang. Wir gehen auf die Jagt, bewegen uns auf neuem Territorium und übernehmen die Steuerung. Aber bitte sein Sie sorgfältig und geduldig mit sich selbst, denn wir sind nun mal einfach nur Menschen mit Stärken und Schwächen. Gehen wir noch einmal zurück zum leckeren Stück Kuchen oder zum permanenten Drang E-Mails abzurufen, beides ausgelöst durch z. B. Langeweile. Akzeptieren Sie, dass es OK ist, Angewohnheiten zu haben, und erkennen Sie, das es falsche Sicherheiten sind die wir geschaffen haben und wir diese einfach nicht mehr brauchen.


Mein Vorschlag: freuen Sie sich, sobald Ihre nächstes „schlechte“ Angewohnheit Sie konfrontiert, denn jetzt kann das Abenteuer beginnen: Sie halten inne, fühlen und spüren den Drang, Sie realisieren ihn, lassen es zu, entscheiden sich allerdings dem nicht wie sonst, zu folgen. Sie übernehmen das Ruder. Anstelle dessen erforschen Sie, wie es sich anfühlt, wenn man dem Drang nicht nachgibt, ihn „loslässt“ und freuen sich über das Ja sagen zum Nein tun. Und was für die Schaffung von negativen Angewohnheiten funktioniert, klappt ganz wunderbar auch bei der Schaffung von Guten. Wie wir gelernt haben, lassen sie sich durch Wiederholung etablieren.


Der Ablauf kurz zusammengefasst:


  • sein Sie mitfühlend mit sich selbst

  • erkennen Sie was passiert

  • lösen Sie sich davon, dittach / loslassen

  • ersetzen Sie eine negative Angewohnheit durch eine neue, gute

Dadurch empowern Sie sich selbst und können die ganze Sache mit Spaß versehen.

Was gebraucht wird, ist eine Definition, einen besseren Grund für Veränderungen – wie wir wissen, ist intrinsische Motivation der Schlüssel, denn wenn Sie es nicht wollen, ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass Sie sich persönlich transformieren.

Setzen Sie sich unbedingt realistische Ziele – wie und warum und worauf es ankommt.

Treten Sie aus ihrer Komfortzone heraus: kleine Schritte zum Erfolg, denn massive Schritte können zu massiven Blockaden führen und uns zum sofortigen Abbruch motivieren.

Last not least: Seien Sie ihr eigener Unterstützer und Cheerleader.



RICHTIG? WICHTIG!

Fazit: Eigenverantwortung ist die Basis für persönliche Transformation. Neue Ziele, die anfangs klar definiert sind, stehen im Fokus. Wir wissen, dass unser Denken und Handeln sich gegenseitig beeinflussen und wir uns das zunutze machen können.

Transformation ganz gleich ob digital oder persönlich kann Spaß machen und uns ermächtigen unser Leben zu steuern.


Wieso hätte mich der heutige Wissensstand meine Tätigkeit in der Vergangenheit einfacher gestaltet lassen? Ganz einfach: Ich hätte meinem Team mehr Hilfestellung geben können, was Ihre Möglichkeit der Selbststeuerung anbelangt. Ganz besonders, wenn signifikante Veränderungen der Unternehmen oder ihrer Jobs anstanden, was oft mit initialer Ablehnung oder Festhalten am "Gutbewährten" beantwortet wurde :)







About the author:

Birgit Baier is a Strategic Realizer - making complexity simple. She is international and digital at heart, a passionate Business Transformer with over twenty five years experience in leading digital and integrated marketing, innovation, brand development companies and managed strategic technology alliances/partnerships.

Creating meaningful solutions, products, services, brand experiences and delivering strategic innovation is what drives her.

More details can be found here: www.bempowered.de.


You can book Birgit as a speaker: http://www.women-speaker-foundation.de/speaker_Birgit_Baier

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